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Landerwerb und erste jüdische Siedlungen

Dokumente aus der Britischen Mandatszeit, die nach dem Sechs-Tage-Krieg in den Besitz Israels gelangten, geben Einblick in das aus der osmanischen Herrschaft überkom­mene Feudalsystem Palästinas und in den Landverkauf an die Zionisten. Falls kein anderer Quellenverweis angegeben, liegen allen Ausführungen die Recherchen von Kenneth W.Stein zugrunde /St/.

Seit 1967 wurden ebf. neue arabische Siedlungen in Judäa und Samaria (Westbank) gegründet.

1 Türk. dunam = 919.3 qm; 1 (metrischer) dunam = 1000 qm | 1 Pal. Pfund (£P) = 1 Engl. Pfund (£E) = 5 $US |

1. Zur Geschichte der zionistischen Bewegung im Land Israel /WS/

1856 Sir Moses Montefiori läßt am Ort des heuti­gen Shekunat Montefiori (Stadtteil von Tel Aviv) eine Orangenplantage anlegen. Das I.Mal wird hier im Sinne des späteren Zionismus etwas unternommen, um das Land Israel wieder aufzubauen und die Juden aus ihrer Mutlosigkeit zu reißen. Aber: Es wird von einem Juden aus Europa (England) durchgeführt, der nicht selbst nach Israel geht.

1860-70 Montefiori ermutigt die Juden aus herun­tergekommenen Häusern der Altstadt Jerusalems, sich im neuen Stadtteil Mischkenot Sha'ananim (heute Teil von Yemin Moshe) anzusiedeln. 1857 hatte Montefiori hier schon die Windmühle bauen lassen.

1870 Juden aus Frankreich gründen (bei Tel Aviv) die Landwirtschaftsschule Mikwe Israel (Hoffnung (d.h. G-tt) Israels, Jer 17,13). Schulleiter ist der französische Jude Netter der zwar nach Israel ein­wandert, ,jedoch keine Siedlung gründet.

1878/79 Die zwei ersten echten Siedlungsneu­gründungen, wenn auch nicht durch Einwanderer (Olim):
1. in der Nähe des heutigen Tel Aviv gründen drei Jerusalemer Juden Petach Tikwa ("Tor der Hoffnung" die G-tt schenkt, Hos 2,17).
2. Juden aus Safed gründen (in Ober­galiläa) Rosh-Pina ("Eckstein", Ps 118,22; Jes 28,16)
Beide Siedlungen müssen zunächst we­gen Malaria und anderer Schwierigkeiten vorübergehend aufgegeben werden.

1882-1903 Erste Aliya (Einwanderungswelle) wegen Judenverfolgungen im Russischen Reich (das damals auch große Teile Polens um­faßte) nach der Ermordung von Zar Alexander II., dessen man die Juden bezichtigte.

1881 Auch aus dem Yemen machen sich 2000 Juden zu Fuß auf den Weg ins verheißene Land. Einige hundert erreichen ihr Ziel.

1882 Erstmals ist die Idee des Zionismus voll­ständig verwirklicht: neue Siedlungen wer­den von einwandernden Juden (Olim) gegründet und das Land wird bepflanzt: Rishon-Ie-Zion ("Erster für Zion", G-tt ist der Erste, der Zion Freude verkünden lässt, Jes 41,27, südlich von Tel Aviv) und Sichron Ya'akov (südlich von Haifa) gegründet.

1882/83 Zweite, nun erfolgreiche Versuche, Rosh-Pina und Petach Tikwa wieder aufzu­bauen. Petach Tikwa erbauen Juden aus Bialystok (Russisch-Polen) von der zionis­tischen Jugendbewegung "Biluim" (der Singular 'Bilu' ist aus den hebräischen Anfangsbuchstaben von Jes 2,5 gebildet: Beit-Ia'akov Lechu Unelcha "Ihr, vom Haus Jakob, auf und laßt uns gehen!")

Ab jetzt bis in die Gegenwart werden auch viele verfal­lene biblische Stätten an ihrem Ursprungs­ort gemäß Jes 61,4 wieder aufgebaut, z.B. Dan, Qiryat Gat, Bet-Shean, Eilat

1887 Gründung von Newe Zedeq (1890 Newe Shalom) auf dem Gebiet des heutigen Tel Aviv, als ein jüdischer Vorort von Jaffa, nicht zur Entwicklung einer Stadt angelegt.

1896 Theodor Herzl's grundlegende zionistische Schrift "Der Judenstaat" erscheint, ein systematischer Entwurf.

2. Die religiösen Siedler der ersten Einwanderungsphase

Die Juden der ersten Aliya, 1882 bis 1904, waren religiös. Sie hielten fest am Minjan (Mindestzahl von 10 Männern für die Schabatfeier), am Ritualbad, an kosherer Nahrung …

1870 wurde die erste Landwirtschaftsschule gegrün­det, die ‘Mikve Israel‘ (vgl. 1.) 1904 gab es 28 solcher Schulen, heute Moshava genannt, darunter Beer Toviyyah (Qastina), Dov Gavish, 1888 gegründet, {table I: First Aliya Movement(p.150)}. Die Moshavs umfassten etwa 1/4 Million Dunam Privatgrund, in ihnen arbeiteten im Jahr 1882 etwa 5500 Juden und etwa 25 000 Juden gegen Ende der ersten Aliyah {bei einer Gesamtbevölkerung von nahezu 500 000}.

Trotz ihrer geringen Zahl legten die Moshavs den Grundstock von Werten für ein späteres nationales Gemeinwesen. Die Landwirtschaftsschulen wurden gegründet von der osteuropäischen ‘Hovevei Zion‘, von Baron Edmond de Rothschild und der Jewish Colonization Assosiation. Die meist verschuldeten Moshavs wurden bis 1890 von Baron Edmond de Rothschild finanziell unterstützt, der auch Hunder­te von Angestellten in der Verwaltung, landwirt­schaftliche Berater und Ingenieure, Lehrer, Ärzte und Rabbiner unterhielt.

Im Jahr 1900 übertrug Rothschild sein Eigentum in Palästina der Jewish Colonization Assosiation (JCA) und zog sich aus der Verwaltung der Moshavs zu­rück, nachdem diese immer noch nicht auf eigenen Füßen stehen konnten.

Die JCA wurde 1891 von Baron Hirsh gegründet und war zunächst in Argentinien tätig. Sie arbeitete nach liberalen Prinzipien und nach den Gesetzen des Marktes.

Infolge der zunächst eintretenden Arbeitslosigkeit verließen viele junge Menschen das Land. Im ersten Jahrzehnt des 20.Jh. entstanden 7 Siedlungen nach einem neuen Modell und mit einer Landwirtschafts­schule, die auf den Anbau von Getreide ausgerich­tet war. Zu der religiösen Ausrichtung traten auch säkulare Aktivitäten. Es entstanden Amateurtheater und Bibliotheken. Es entstand die ‘Hatikvah‘, die später zur Nationalhymne wurde. Die blauweiße Flagge von Rishon LeZion mit dem Davidstern von 1885 wurde zum nationalen Symbol. Die Sprache war das Jiddisch Osteuropas. Auch für Mädchen wurden die Schulen geöffnet. Neben religiösen Themen wurden auch säkulare Fächer, Mathematik, Geographie … unterrichtet. Unterrichtssprachen waren hebräisch, französisch und arabisch.

3. Die arabische Landbevölkerung um 1870

In den 1870-er Jahren siedelte die arabische Land­bevölkerung, die auf etwa 255 000 geschätzt wird, in 673 Dörfern, von denen 516 von der osmani­schen Besteuerung erfasst waren. /RK/_Moshe Brawer: Transformation in Arab Rural Settlement in Palestine

4. Kein Mangel an Land im Jahr 1918

In den Gesprächen mit Faisal Hussein 1918 drängte Chaim Weizmann auf eine Landreform, sodass das Land, das von Großgrundbesitzern und Wucherern kontrolliert würde, den jüdischen Siedlern zugute käme. Beide stimmten darin überein, dass es keinen Mangel an Land in Palästina gäbe. In ihrer Überein­kunft im Januar 1919 hielten sie fest, dass die ara­bische Landbevölkerung auf dem Land bleiben könnte, dass sie (jetzt) bewirtschafteten. Landkäufe durch die Juden, sowohl von großen wie von klei­nen Eigentümern gingen weiter, als im Juni 1930 die Regulierung von Landtransaktionen erörtert wurde, auch als 1934 und 1935 die jüdischen Landkäufe zunehmend verurteilt wurden und noch 1940 trotz der angestrengten Regulierungsmaßnahmen.

5. Landtransfer vor der Britischen Mandatszeit

Die jüdische Bevölkerung in Palästina stieg von 1882 bis 1914 von 24 000 auf 65 000 (siehe Arthur Ruppin, Three decades in Palestine, pp. 35-65). Schon vor dem Auftreten jüdischer Organisationen hatte diese bis 1914 urkundlich 400 000 dunams, das sind 20% der bis zum Ende des Britischen Mandats erworbenen 2 Millionen dunams, von Familien mit großem Landbesitz gekauft, die zum Teil in Alexan­dria, Kairo, Beirut oder Damaskus lebten. Es waren solche Familien wie die Sabbaghs, Habibis, und Tueinis (Beirut), die Abyads, Khuris, Kitrans, Saads, and Khalils (Haifa), die Beyduns (Acre), die al-Fa­hums (Nazareth), die Khatibs (Safed), und die al-Tabaris (Tiberias). Jüdische Siedlungen wurden er­richtet in Hadera, Zichron-Ya‘acov, Kinneret, Me­tullah, Ayelet HaShachar, Rosh-Pina, Tel Hai, und an mindestens 15 weiteren Orten /St/_Ch.2_note_11.

6. Landeigentümer und Pachtverträge

Die Pachtbauern (Fellachen) blieben in Abhängig­keit von den Effendis. Die Fellachen hatten keinen Kontakt mit den jüdischen Landkäufern, abgesehen von Kompensationszahlungen für ihren Landver­lust und von der Unterstützung durch jüdische Wohlfahrt. Die (wenigen) unter den Osmanen zu großem Landbesitz gekommenen arabisch-paläs­tinensischen Familien übernahmen in der Mandats­zeit die Interessenvertretung der arabischen Land­bevölkerung. Die städtischen Landbesitzer verach­teten die in ihren Augen dummen und ungebildeten Fellachen /St/_Ch.1_note_69,70.

Afif I. Tannous, ein pal. Intellektueller, bemerkte im Okt 1935. “Der Fellache ist bis jetzt ein Objekt der Unterdrückung, Vernachlässigung und schlechter Behandlung durch seine eigenen Landsleute und durch das alte politische Regime. Das Feudalsystem vernichtete sein Leben, die Effendi-Klasse schaute auf ihn herab und das alte türkische Regime war zu korrupt, um sich mit einem solch vitalen Problem zu befassen“.

Unter dem britischen Mandat wurde die gegenüber den räuberischen Angriffen der Beduinen und bei Stammesfehden günstige strategische Lage auf den Hügeln aufgegeben zugunsten der fruchtbaren Täler (S.172; S.173, Fig.1: Das Dorf Fasuta mit einem muslimischen und einem christlichen Kern, vor 1920 mit Ausweitung der Bebauung auf die Ränder des Ackerlandes. S.179, Fig. 2: Das Dorf Maliha mit Ausweitung der Bebauung auf die Zufahrtsstraßen).

Zur Entwicklung trugen vor allem arabische Christen und christliche Organisationen bei (S.174). Tabelle I (S.177) zeigt den Zuwachs der Landbe­völkerung in verschiedenen Dörfern zwischen 60% und 110% in den Jahren 1922 bis 1947. /RK/_Moshe Brawer: Transformation in Arab Rural Settlement in Palestine

7. Die großen Landgüter

lagen vorwiegend in den Ebenen und weniger im Hügelland von Judäa und Samaria 949 000 türk. dunam gehörten zur Hälfte Familien, die außerhalb des Landes lebten, /St/_Anhang_1_Large_Estates _in Palestine_1919, ausgenommen die Region um Beer­sheba. Wenn Musha Land (-> 7.) verpachtet wurde, dann im ständigen Rotationsverfahren, damit die Pächter keine Schutzrechte erwerben konnten.

Im Jahr 1907 konnten die palästinensischen Bauern Land oder Nutzungsrechte in 20% von Galiläa und in 50% von Judäa erwerben /St/_Ch.1_S.26. Etwa 60 Familien gehörte mehr als 1/3 von (West-)Palästina (Geamtfläche 26 625 000 dunams = 26 625 qkm) vgl. /St/_S.223-5_ Anhang_Large_Estates _in_Palestine, 1919

8. Der Zehnte

Der Anteil der Landwirtschaft an den Staats­einkünften betrug 1913 fast 90%, mehr als die Hälfte davon entfiel auf den Zehnten der landwirt­schaftlichen Bruttoerträge. Der Mukhtar behielt 2,5% des Zehnten und der Grund­steuer für sich.

Der Mukhtar erstellte auch die Listen für die Einberufung zum Militär, was ein Druckmittel war. Dgl. kooperierte er mit dem Geldverleiher letzlich zum Schaden der Bauern.

Dem Census for Palestine 1931 zufolge bestritten 2/3 der muslimischen Araber bzw. 465 000 ihren Lebensunterhalt von der Land- oder Weidewirt­schaft. Davon waren 50 552 Landeigentümer. 25% lebten am Rand des Existenzminimums.

Die Bauern behielten zwar zunächst ihren Status als Eigentümer des Landes, besonders in den Gebieten des Musha-Landes (-> 7.), verloren als nächstes die Verfügungsgewalt über ihr Land und verkauften dann auch ihre Anteilsrechte.

Diese fortschreitende Proletarisierung der Landbe­völkerung wurde nicht durch den Landerwerb der Juden ausgelöst, sondern nur beschleunigt.

9. Musha-Land

war eine der sechs Landkategorien unter osmanischer Herrschaft. Es gehörte z. B. einem Dorf und wurde einzelnen Bauern je nach Befähigung zugeteilt. Es war von der Weidewirtschaft in die Agrarwirtschaft übernommen worden und sollte die Veräußerung von Land an Fremde verhindern. Da die Zuteilung des Landes periodisch rotierte, erfolgten keine Investitionen, wie das Anlegen von Terassen, Bewässerung und Aufforstung. Im Jahr 1933 wurde der Anteil von Musha-Land in den Ebenen zwischen 4 und 5 Millionen dunams geschätzt. Infolge Verschuldung verloren viele kollektive Teilhaber (engl. shareholder) ihr Anteils­recht und wurden Pachtbauern. 1923 waren etwa 75% des kollektiven Musha-Landes an Notabeln oder Landbesitzer übergegangen, die in den Städten wohnten. Um nicht die Elite zu verärgern, versuch­ten die Briten nicht, diesen Besitz per Dekret aufzu­teilen. Infolge Vererbung erfolgte eine Parzellierung der verbliebenen Shareholder-Landzuteilung, was die Wirtschaftskraft weiter schwächte. Das Musha-Landsystem wurde von den britischen Behörden als das größte Hindernis zur Verbesserung der Misere der Fellachen angesehen /St/_Ch.1_note_35.

10. Die unechte Opposition gegen Landverkauf

Von den 89 gewählten Mitgliedern der Arab Exe­cutive von 1920 bis Juni 1928 war mindestens jeder vierte selbst oder mit seiner Familie an Landver­käufen an Juden beteiligt. Von den 48 Mitgliedern der Arab Executive, die am siebten Arabischen Kongress im Juni 1928 teilnahmen, waren mindes­tens vierzehn bis dahin an Landverkäufen beteiligt. Etwa 60 arabische Notabilitäten, die 1918-45 in Landverkäufe an Juden involviert waren, sind in /St/_Anhang_3, mit z.T. detaillierten Angaben aufgeführt. Viele hinderten ihre eigenen, früheren Landverkäufe nicht an einer Opposition gegen Landverkauf /St/_S.69.70.

11. Angebot und Nachfrage

Dem jüdischen Bedarf an Land entsprach der arabische Bedarf an Kapital, wobei das Angebot an Land die Kaufkraft der Zionisten weit übertraf /St/_Ch.2_note_95. In den Unruhen im Dezember 1937 boten Araber 200 000 bis 300 000 dunams zum Kauf an. Spekulation mit Land gehörte seit jeher zum Geschäft der großen Landbesitzer. Der kleine, unge­bildete Landbesitzer hingegen sicherte mit dem Verkauf sein Überleben.

Fast die ganze Ebene Esdraelon war im Besitz der Familie Sursock, die meist in Beirut residierte und die das Land, das sich von Haifa in südöstlicher Richtung bis fast in den Beisan in der Jordanebene (Beit Schean) mit einer Fläche von 240 qkm erstreck­te, in den Jahren 1921-25 u.a. an den Jüdischen Nationalfond für mehr als 800 000 £E (4 000 000 $US) verkaufte /St/_S.56; zur Entschädigung der Pachtbauern s.u. 12.

12. Die Verelendung der Landbevölkerung

Die zunehmende Verschuldung der kleinen Bauern infolge der schlechten Ernten der Jahre 1931 bis 1935 (Dürreperiode) und infolge des Preisverfalls wegen der Getreidevorräte im Hauran, führte zum Verlust des Landes. Sie wurden Pächter und endeten schließlich als Landarbeiter.

Die Fellachen, falls sie nicht selbst Viehdiebe waren, boten jederzeit bereitwillig für diese einen Unter­schlupf, ebenso für andere Kriminelle. Die einzelnen Parzellen des Landes wechselten von Jahr zu Jahr den Besitzer [Musha-Land s.o.], und die Fellachen wurden immer wieder Opfer von Plün­derung und Erpressung durch ihre Nachbarn, die Beduinen." Lewis French, der 1931 von der britischen Regierung ernannte Leiter für die Entwicklung des Landes

13. Zusätzliche Einnahmen für die Feudalherren

Das weithin nutzlos gewordene Land, welches die kleinen Bauern nicht ernähren konnte und den großen Landbesitzern zu wenig Pacht einbrachte, wurde abgestoßen. Es wurde für die Großgrund­besitzer eine zusätzliche Einnahmequelle, als sie es an die zur Besiedlung des Landes eintreffenden Juden um harte Währung verkaufen konnten.

14. Mut zur Wahrheit

Der im Exil lebende arabische Schriftsteller Abdel Razek Kader hat den tatsächlichen Sachverhalt der jüdischen Besiedlung so zusammengefaßt:

„Die Nationalisten der Nachbarländer Israels (...) wissen sehr wohl, dass die sumpfigen Ebenen und steinigen Anhöhen zu Beginn dieses Jahrhunderts und in den Tagen des britischen Mandats von ihren Vätern oder Onkeln an die Zionisten verkauft wurden, für Gold, für dasselbe Gold, das oft am Anfang ihrer politischen oder kommerziellen Lauf­bahn gestanden hat. Die nomadischen oder halbnomadischen Landbewohner in den Grenzge­bieten wissen sehr wohl, wie die jetzt so grünen Ebenen, die bewaldeten Anhöhen und blühenden Täler des heutigen Israel früher ausgesehen haben.

Die Palästinenser, die heute als Flüchtlinge in den Nachbarländern leben und zur Zeit ihrer Flucht schon erwachsen waren, wissen dies sehr wohl. Und keiner antizionistischen Propaganda (...) wird es gelingen, eine Tatsache aus ihrem Gedächtnis zu verbannen: dass ihre heutigen nationalistischen Ausbeuter die würdigen Söhne ihrer feudalen Ausbeuter von gestern sind, und daß die Dornen auf ihrem Lebensweg nicht jüdischen, sondern arabischen Ursprungs sind.“ /Pf/_S.147 (aus Moshe Aumann, Grundbesitz in Palästina 1880-1948, Jerusalem 1977, S. 24).

15. Entschädigung für die Pachtbauern

Die Pachtbauern erhielten noch vor der Veräus­serung des Landes, entsprechend dem Überein­kommen zwischen Verkäufer und Käufer, von letzterem eine Art Kompensation. Die finanzielle Entschädigung für die 688 Familien der Pacht­bauern auf dem Sursock-Land, s.u. 7., die etwa 55% des verkauften Landes bearbeiteten, betrug durch­schnittlich £E 39 pro Familie.

Von den 38 Familien, die den Nuris Block des Sursock Landes bearbeiteten, wählten einige eine Entschädigung mit Land, das sie für die Dauer von sechs Jahren bearbeiten konnten, mit der Option, dieses Land kaufen zu können. Die Pacht wurde auf 1/5 des Ernteertrages festgesetzt. Die besagten Familien verließen aber weder das Land nach sechs Jahren noch machten sie Anstalten, es zu kaufen. Der Jewish National Fund mußte schließlich die Pacht um weitere drei Jahre verlängern, bevor das Land überschrieben wurde. Inzwischen, von 1922-29 war die Bevölkerung der Nuris Region auf das fünffache angewachsen /St/_S.57 (Karte 3. Wadi Hawarith, Beisan, and Former Sursock Lands, March 1930).

16. Die Beisan Übereinkunft

Da es keinen beurkundeten Besitz der weiten Region südlich Beersheba gab, überließen die Briten (Churchill, März 1921) den Beduinen dieses Land zur Nutzung gemäß ihren Stammestraditionen. [siehe 18. Die vorübergehende Sesshaftigkeit der Beduinen]

Die Zionistische Kommission hatte schon im Mai 1918 die Briten gebeten, das Land gemäß den verschiedenen Katgorien zu erfassen (Jiftik, Muda­wara, Mawat, Mahlul, Musha, Staatsland), weil sie zunächst am Kauf von Staatsland interessiert war.

Die Beisan (Beit Sche'an) Region gehörte einst dem Sultan und war den Bauern zu „ewiger“ Pacht überlassen worden. Die Land-Kommission war zwar darauf bedacht, die Pachtbauern zu schützen, aber nicht bereit, die Verfügungsgewalt über das Staatsland aufzugeben einschließlich der Erhebung des Zehnten und der Pacht. Nach den Verhand­lungen von Hochkommissar Samuel mit den Shayks und Nobilitäten des Beisan wurde am 1.November 1921 das Beisan Abkommen (Ghor Mudawara) unterzeichnet, das den einheimischen Pachtbauern und Stammesangehörigen das Recht zuge­stand, das Land, das sie als „occupancy tenants“ bearbeiteten, zu einem 1/14 bis zu 1/7 des üblichen Preises zu kaufen. Nach 15 Jahren mußte der Kaufpreis vollständig entrichtet sein, ansonsten verlor der „occupancy tenant“ jeden Rechtsanspruch. Bis Ende 1931 war 2 614 arabischen Pächtern Land zugeteilt worden, durchschnittlich 101 metrische dunams. Mehr als 87% der ursprünglich 302 000 dunams waren zugeteilt. Einige hatten bei weitem mehr Land erworben, als sie bearbeiten konnten und heuerten Landarbeiter an; andere verkauften, ent­gegen den Bestimmungen des Beisan Abkommens, Land an die Juden. Bis Juni 1938 waren 30% des arabischen Pächtern zugeteilten Beisan Landes in jüdischen Besitz übergegangen. Die Zahlungsfrist von 15 Jahren wurde 1928 auf 30 Jahre verlängert. Die Landverkäufe an die Juden wurden legalisiert und den Zionisten der Landerwerb in Beisan er­laubt. Das trockene Jahr 1928 und der Einbruch der Getreidepreise 1929 führte zu vermehrten Landver­käufen. Bis Juli 1940 hatten 60% der arabischen Pächter ihr Land verkauft. Im Februar 1940 traten die „Transfer Regulations“ in Kraft, die den Landkauf für Juden weiter erschwerten und diese wandten sich mehr an unabhängige Landeigen­tümer.

17. Die Wadi Hawarith Affäre

Im April 1929 kaufte der Jüdische Nationalfond (JNF) 30 000 dunams Land des Wadi Hawarith, das die Siedlungen zwischen Tel Aviv und Haifa miteinander verbinden sollte. Der Verkauf durch die Tayan-Familie war als öffentliche Auktion getarnt, die einen nominellen Erlös von £P 41 000 brachte. Die Tayans erhielten tatsächlich £P 136 000. Schon vor dem Kauf hatte der JNF insgesamt £P 6 154 den Beduinen und den 1200 Fellachen und Landarbeitern angeboten, quasi als weitergegebenes Honorar für die Dienste ihrer Mukhtars und Shaykhs.

Die Fellachen waren schon vorher informiert worden, dass sie das Land binnen eines Jahres zu verlassen hätten. Der Hochkommissar Chancellor intervenierte zugunsten der Fellachen, indem er sich über rechtliche Bestimmungen hinwegsetzte. Auf den zuvor erschienenen Shaw Report folgte der Hope-Simpson Report und schließlich das Passfield Weißpapier im Oktober 1930, welche die jüdische Einwanderung und den Landerwerb zu unter­binden suchten.

18. Nach der Staatsgründung 1948

waren 8,6% des Landes durch Kauf in jüdischen Besitz übergegangen, 3,3% im Besitz der nicht geflohenen Araber verblieben und 16,9% von geflo­henen Araber aufgegeben. Die restlichen 71,2% waren Staatsland, /Pe/_Tabelle S.426. Das von Juden gekaufte und registrierte Land, Stand 1930 und Stand 1944, zeigen die beiden Karten /Anlage 1/.

19. Osmanischen Recht bei Landfragen:

Ab 1856 trat eine Änderung der türkischen Politik ein. Jeder, der dem türkischen Sultan in Konstantinopel für drei Jahre die Steuer zahlen konnte, der war Besitzer des Landes, auf dem er saß. Das aber konnten nur die ungefähr 500 reichen arabischen Familien, die das eigene Volk ausbeuteten. Die armen arabischen Bauern lebten in einer schrecklichen Zinsknechtschaft diesen 500 Feudal-Familien gegenüber. /'Wer sind in Wahrheit die Palästinenser' (Auszug), Evangeliums-Mission Bad Salzuflen/.

Briten, Jordanier, Israelis und auch die Palästinen­sische Autonomiebehörde erkennen die Gültigkeit des osmanischen Rechts bei Landfragen an. Alles Land, das dem Sultan gehörte, ist Staatsland. Die Bewohner können lediglich Nutzungsrechte erwer­ben, entweder indem sie drei Jahre lang ein Landstück bearbeiten, oder auch durch Kauf oder Vererbung. Wird ein Stück Land zehn Jahre lang nicht bearbeitet, fällt das Nutzungsrecht an den Staat zurück /J. Gerloff‚ Mit allen Mitteln - Der Kampf ums Kernland Israels, in Seht den Feigenbaum Nr. 244/2003/.

20. Die vorübergehende Sesshaftigkeit der Beduinen

/RK/ Joseph Ben-David: The Negev Beduin: From Nomadism to Agriculture

Die mündliche Überlieferung ist bei den Beduinen glaubwürdiger als schriftliche Quellen. So werden ihre nicht nachweisbaren Ansprüche auf Nutzungs­rechte von Land von neuzeitlichen Regierungen nicht anerkannt.

Der Staat Israel hatte, indem er für sie Wohnungen mit städtischem Charakter baute, wenig Erfolg. Der Rückzug Ibrahim Paschas nach Ägypten 1841 be­günstigte die Hinwendung der Beduinen zur Agrarwirtschaft. Viele der von Pascha in den Jahren 1830-1840 in Palästina als Fellachen angesiedelten Ägypter waren gezwungen, einen neuen Lebensun­terhalt zu suchen und schlossen sich den Beduinen an (von diesen 'askar Ivrahim Pasha' d. h. Soldaten I. P. genannt), für die sie dann weiter als besitzlose Fellachen arbeiteten.

Das osmanische 'Landgesetz' regelte insbesondere die Rechte der Besitzer von Mavat (d. h. totem) Wüstenland. Die Aufforderung zur Registrierung wurde kaum befolgt und führte stattdessen zu Verteilungskämpfen als der letzten Gelegenheit, Wurzeln zu schlagen (G. Baer: The Arabs of the Middle East, Tel Aviv 1973; A. El-Aref: The History of Beersheva and its Tribes; Tel Aviv 1973).

Die von den Behörden 1906 veröffentlichte Karte zeigt die Aufteilung des von den großen Beduinen­stämmen erstrittenen Landes in der Umgebung von Beersheva, das 1903 zu einem Verwaltungs zentrum wurde.

Kaufleute verlegten ihren Wohnsitz von Gaza nach Hebron, um mit den Beduinen ins Geschäft mit deren landwirtschaftlichen Produkten zu kommen. Jüdische Kaufleute aus Gaza belieferten mit Gerste der Beduinen die Brauereien in England.

Bei ihrem aufwändigen Lebensstil gerieten die Beduinen zunehmend in die Abhängigkeit von Kaufleuten, die ihnen landwirtschaftliche Geräte lieferten und Kredite gewährten und verloren dabei ihre soeben erlangte Bodenhaftung. In den 1920-er und 1930-er Jahren kam es in gesteiger­tem Maße zu Landverkäufen unter illegalen Praktiken (S.194) an jüdische Siedler.

21. Jüdische Präsenz in Yesha (Judäa, Samaria und Gaza)

GAZA: Die Synagoge hier ist 1500 Jahre alt. Das jüdische Recht auf diese Gegend ist dokumentiert durch jahrhundertealte Kaufverträge und andere Unterlagen, die in arabischen Archiven existieren.

Am inneren Stadtrand ist eine 1800 Jahre alte Synagoge. Das Mosaik im Fußboden ist eines der schönsten überlebenden Zeugen jener Zeit in ganz Israel. ...

NABLUS: Der biblische Name ist Sichem [von Vespasian wurde die Stadt als Neapolis wieder erbaut, daraus wurde Nablus]. In der Umgebung liegen ein halbes Dutzend jüdische Ortschaften mit rund 2000 jüdischen Einwohnern. Im Zentrum von Nablus ist das Grab unseres Stammvaters Joseph, umgeben von riesigen grotesken Zementbarrikaden und Stacheldraht und Dutzenden israelischen Wachtsoldaten [seinerzeit].

... Vor der Besetzung durch Jordanien /vgl. Palästina-Identität, NABLUS/, gab es in der Stadt Sichem stets eine beträchtliche Anzahl von Juden.

Wenn die Welt ihren Willen bekommt und Israel diese Gegend an die Moslems fortgibt, dann wird das Ende der biblischen Begräbnisstätte des Patriar­chen Joseph Entweihung und Zerstörung sein [was sich inzwischen bewahrheitet hat], wie man es mit 38.000 jüdischen Gräbern auf dem Ölberg und 58 Synagogen in Jerusalem unter jordanischer Besatzung tat.

GUSH ETZION ist ein Sammelname für eine Gruppe von jüdischen Dörfern, die bis 1926 zurück­datieren und zwischen Bethlehem und Hebron liegen. Auch diese sind inzwischen von Dörfern der Araber umzingelt. 1948 wurden in Migdal Eder 240 jüdische Männer, die ihre Bauernhöfe verteidigten, getötet. Ihre Frauen und Kinder wurden ein paar Tage vorher nach Jerusalem evakuiert.

Unsere Kontaktperson zeigte uns eine große, 1951 von der jordanischen Regierung herausgegebene Landkarte der Immobilien dieser Gegend, die große Landgebiete anzeigt, die von Juden gekauft wurden und ihnen rechtlich gehören. Der Verkauf von Land an Juden durch arabische Privatbesitzer geht noch heute weiter. Gegenwärtig besitzen Juden hier 16.000 Dunam (1600 ha) Land. Das sind die in den Nachrichten nicht erwähnten Tatsachen über die jüdischen Ortschaften in Judäa, Samaria und Gaza: Die Juden kauften und bezahlten den Boden, auf dem sie wohnen und Landwirtschaft betreiben.

'Auf unwegsamen Pfaden- von Touristen selten betreten (Auszug), von David B. Goldberg, M.A., Haschiwa-Die Rückkehr Nr.2/1995

Hebron: In Hebron leben heute [1995] rund 120.000 sunnitische Araber, etwa 500 Juden und drei Christen. Die jüdische Gemeinde besteht aus rund 45 Familien und 150 Jeshiva-Studenten. Weitere 6.000 Juden leben in der benachbarten Gemeinde Kirjat Arba. Die drei christlichen Bewohner Hebrons sind die Hüter der russischen Kirche der Stadt.

Sowohl der hebräische Name der Stadt „Hebron“ als auch die arabische Bezeichnung „Al-Khalil“ leiten sich von dem Wort „Freund“ ab. Beide beziehen sich auf den Patriarchen Abraham bzw. Ibrahim, der für Juden wie Muslime als Freund Gottes gilt. Hebron ist für die Juden neben Jerusalem, Zefat und Tiberias eine der vier heiligen Städte, da sich dort die Grabstätten der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob und der Matriarchinnen Sara, Rebecca und Lea befinden und David in Hebron zum König gesalbt wurde.

'Auf unwegsamen Pfaden- von Touristen selten betreten (Auszug) ...'

Hebron - Historischer Hintergrund: Biblisches Zeitalter bis 1967

Die Stadt war Teil des vereinigten Königreichs und später des südlichen Königreichs Judäa, bis letzteres 586 v.d.Z. an die Babylonier fiel. Trotz des Verlusts der jüdischen Unabhängigkeit lebten Juden nach wie vor in Hebron (Nehemia 11, 25), und die Stadt wurde in das (jüdische) hasmonäische Königreich eingegliedert. König Herodes (Regierungszeit 37-4 v.d.Z.) baute das Fundament der bis heute erhal­tenen zwölf Meter hohen Wand über der Grabstätte der Patriarchen.

Die Stadt war während des jüdischen Aufstands gegen die Römer (65-70 n.d.Z., siehe Josephus 4, 529, 554) Schauplatz intensiver Kampfhandlungen. Die Juden lebten jedoch auch nach dem Aufstand bis zum späteren Bar-Kochba-Aufstand (132-135 n.d.Z.) und bis ins byzantinische Zeitalter hinein in Hebron, wie die Ausgrabung der Ruine einer Synagoge aus dem byzantinischen Zeitalter beweist. Die Byzantiner errichteten eine Kirche über dem Grabmal der Patriarchen unter Einbeziehung des bereits bestehenden herodianischen Bauwerks.

Die Juden lebten auch nach der Eroberung der Stadt durch die Araber (638) in Hebron. Die Araber verwandelten die byzantinische Kirche an der Grabstätte der Patriarchen in eine Moschee.

Bei der Eroberung von Hebron im Jahr 1100 ver­trieben die Kreuzfahrer die jüdische Gemeinde und machten die Moschee an der Grabstätte wieder zu einer Kirche. Die jüdische Gemeinde kehrte nach der Eroberung der Stadt im Jahre 1260 durch die Mamelucken nach Hebron zurück. Die Mamelucken machten aus der Kirche an der Grabstätte der Patriarchen erneut eine Moschee. Die islamische (mameluckische) Vorherrschaft war jedoch weniger tolerant als die islamischen (arabischen) Regimes vor der Zeit der Kreuzfahrer. Aufgrund einer Verordnung von 1266 war es den Juden (und den Christen) verboten, die Grabstätte der Patriarchen zu betreten. Sie durften nur bis zur fünften und später bis zur siebten Stufe außerhalb der östlichen Wand emporsteigen. Die Eroberung der Stadt durch die osmanischen Türken im Jahr 1517 ging mit einem gewalttätigen Pogrom einher, bei dem es zu vielen Todesopfern, Vergewaltigungen und Plünderungen jüdischer Häuser kam. Die über­lebenden Juden flohen nach Beirut und kehrten erst 1533 zurück. Im Jahr 1540 erwarben jüdische Exilanten aus Spanien den Ort des „Gerichts der Juden“ und bauten die Avraham Avinu („Unser Vater Abraham“)-Synagoge.

Während der türkischen Herrschaft (1517-1917) zogen jüdische Gruppen aus anderen Teilen des Landes Israel und der Diaspora von Zeit zu Zeit nach Hebron, schlossen sich der bestehenden Gemeinde an, und die Stadt wurde zu einem bedeutenden rabbinischen Zentrum.

Im Jahr 1817 zählte die jüdische Gemeinde rund 500 Personen, im Jahr 1838 war sie auf 700 Menschen angewachsen. Die hebräische jüdische Gemeinde errichtete im Jahr 1893 eine Klinik, später Beit Hadassah genannt. Die amerikanische zionistische Hadassah-Organisation bezahlte die Gehälter des medizinischen Personals der Klinik, die sowohl die jüdische als auch die arabische Bevölkerung der Stadt versorgte.

Im Ersten Weltkrieg - vor der britischen Besatzung litt die jüdische Gemeinde unter der türkischen Kriegsverwaltung. Junge Männer wurden zwangs­weise in die türkische Armee eingezogen und die ausländische Finanzhilfe wurde eingestellt. Mit der Einrichtung der britischen Verwaltung im Jahr 1918 begann sich die Gemeinde, die nur noch 430 Menschen umfaßte, wieder zu erholen. Im Jahr 1925 baute Rabbi Mordechai Epstein eine neue Jeshiwa, und 1929 war die Bevölkerung wieder auf 700 Personen angewachsen. Am 23. August 1929 verwüsteten Araber aus der Stadt die jüdi­sche Gemeinde in einem Pogrom, töteten 67 Menschen und verletzten 60 weitere. Im Jahr 1931 kehrten 31 jüdische Familien nach Hebron zurück und bauten die Gemeinde wieder auf. Im April 1936 evakuierten die britischen Behörden die Ge­meinde, da sie ein weiteres Massaker befürchteten.

Nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 und der Invasion durch arabische Truppen nahm die jordanisch-arabische Legion Hebron ein und besetzte die Stadt. Während der jordanischen Herrschaft, die bis 1967 dauerte, durften Juden nicht in der Stadt leben oder - trotz der Waffenstillstands­vereinbarung die jüdischen heiligen Stätten in der Stadt besuchen und dort beten.

Hebron seit 1967: Die wiederaufgebaute jüdische Gemeinde

Im [Sechs-Tage-Krieg] 1967 eroberte Israel die Stadt Hebron. Seit 1968 ist die wiederaufgebaute jüdische Gemeinde in Hebron mit der nahegelegenen Gemeinde Kirjat Arba verbunden.

Die jüdische Gemeinde in Hebron selbst wurde im April 1979 dauerhaft wiederaufgebaut, als eine Gruppe von Juden aus Kirjat Arba nach Beit Hadas­sah ging. Nach einem terroristischen Anschlag im Mai 1980, bei dem sechs Juden, die von Gebeten an der Grabstätte der Patriarchen zurückkamen, er­mordet und 20 weitere verwundet wurden, stimmte die von Ministerpräsident Menachem Begin geführ­te Likud-Regierung dem Wiederaufbau von Beit Hadassah zu und erlaubte es Juden, in das alte jüdische Viertel zu ziehen.

Blickpunkt Israel – InInformationen der Botschaft des Staates Israel (Auszug), Okt./Nov. 1996

22. Ha'emek - vom Todestal zur Kornkammer

Wer die Agrargeschichte dieses Tales nicht kennt, meint, es sei immer so gewesen. Zu biblischen Zei­ten war es eine Kornkammer, um die sich Stadt­könige und Beuteherrscher stritten. Doch mit der Vertreibung der Juden aus Israel ver­ödete, oder genauer gesagt, versumpfte dieses Tal und kehrte sich in ein Todestal, wo Malaria und alle Arten von Sumpffieber wüteten. Niemand gab für dieses Tal einen Heller her, man machte aus Angst vor den tödlichen Gasen so­gar einen weiten Bogen drum­herum. Dann kamen die Juden zurück in das Land ihrer Väter. Die meisten von ihnen waren Händler oder Akademiker und hatten "von Ackerbau und Viehzucht keine Ahnung". Das merkten gar bald die in Palästina lebenden Araber und boten den "dum­men Juden" diesen Todessumpf für teures Geld an. Idealisten unter den Zionisten griffen zu, andere, die schon etwas vom Ackerbau verstanden, wink­ten entsetzt ab, sie sahen darin herausgeworfenes Geld und eine sinnlose Opferung wertvoller Menschenleben. Doch die Idealisten unter den Zionisten gaben nicht nach, ließen sich von den Arabern dieses -"tote Land" verkaufen, und mach­ten sich unter ihren eigenen Leuten dadurch zum Gespött. Jehuda Kapelewitz beschreibt das Ringen um dieses Todestal Ha'Emek. Er schreibt 1921:

"..Ende des Monats Aw (August) begaben sich die Delegierten zum Zionistenkongreß nach Karlsbad, unter ihnen auch Lewkowitz, der beauftragt war, über die Einrichtung der neuen kollektiven Ansied­lung im Emek-Jesreel zu berichten. Dieser Kongreß hatte gerade die Frage des Ankaufs der Nuris-Böden Ha'Emek Gebiet) zu lösen; in den zionis­tischen Kreisen waren viele dagegen und beklagten sich über den Keren Kajemeth (KKL), weil er sich mit einer so schweren Aufgabe belastet hatte, ohne vorher die Erlaubnis von der Leitung der Internat. Bewegung einzuholen. Es wurde uns klar, daß es unsere Sache war, den Emek nicht nur von außen, sondern auch von innen zu erobern. Wir hatten für unsere Idee auch das zionistische Lager zu gewin­nen, und das war nur durch die Tat möglich. Wir konnten nicht länger darauf warten, daß jemand komme, uns dieses Problem zu lösen. Wir sahen in der Eroberung des Emek den starken Hebel, um eine neue Bewegung im Herzen der jüdischen Jugend im Lande und in der Galuth (Diaspora) zu ent­fachen. Wir erkannten, daß die Ansiedlung im Emek für sie ein Symbol und ein Ausdruck für das Wesen des Zionismus werden würde. Wir gedach­ten, ein neues Gemeinschaftsleben zu schaffen.

Ich habe das Emek durchwandert und habe es aus der Nähe gesehen: weithin Sümpfe, ein großes Meer von hohem Schilf­rohr, erdrückende Hitze, Schwärme von Fliegen und Malaria-Moskitos, die das Ohr betäuben, das Auge blenden und das Atmen erschweren. Dazu: kein Weg und Steg. So weit das Auge reicht kein bewohnter Fleck, und nur ganz fern, zu Füßen des Gilboa bezeichnet ein kleiner, grauer Punkt die Stelle eines verfallenen Dorfes. Die Berge und Hügel im Norden sind kahl, ohne etwas Grünes oder einen Baum, aus den Sümpfen, die mit fajrxe.n bewachsen sind, steigt ein Gestank auf - ödes, krankes Land. Hier weidet kein Beduine seine Herde, kein Fußgänger oder Reiter ist zu sehen. Un­endliche Einöde hat hier die unbe­strittene Herrschaft, die niemand anzugreifen wagt. Die wenigen Einwohner am Rande des Emek, ihre Zahl erreicht nicht einmal einige Dutzend, siechen dahin und gehen an Malaria zugrunde. Ich habe dieses fluchbeladene Stück Land gesehen, und es wurde mir klar: das Emek fordert viele Opfer, un­endliche Kräfte und grenzenlose Hingegebenheit. Werden wir dies bei uns finden? Ja, gewiß; ich zweifle keinen Augenblick daran. Wir werden es wagen und nicht weichen, und wir werden siegen. Der Wüste wird die Herrschaft entrissen werden, gesegnete Felder werden daliegen, und auf den kahlen und stumpfen Hügeln werden sich neue Siedlungen erheben, die entstehen und zusam­mengehalten werden durch das Band der Gemein­schaft und Brüderlichkeit. Es ist klar: ein harter Kampf wird in diesem Sumpf entstehen. Nicht leicht wird die Wüste ihr Anrecht, das sie in fast 2ooo Jahren erworben hat, aufgeben wollen.

Wir träumen und sprechen immerfort und überall von diesem friedlichen Kampf, vom Kampf in der Arbeit, auf den Chaus­seen des Galil und bei den Festungen von Antipater. Dort schmieden wir un­sere Waffen: Disziplin und Ordnung, Treue und Beständigkeit, Konzentration der Seelen- und Körperkräfte.

In Petach Tikwa berief ich spät in der Nacht eine dringliche Sitzung des Rates unserer Gruppe ein, und forderte, sofort die Entsendung einer Arbeits­gruppe in das Emek vorzubereiten. Wir bestimm­ten diejenigen, welche zuerst gehen sollten, tüchti­ge Leute, die bei der Arbeit, auf Wachtposten und im Leben der Gemeinschaft erprobt waren, mutige, energische und disziplinierte Menschen. In jener Nacht, gleich nach der Sitzung, fuhr ich nach Jeru­salem zu Dr.Thon und verlangte mit dem Kauf die sofortige Besitzergreifung des Bodens; die Saat­zeit war nahe; wenn wir zögerten, könnten wir den Boden das ganze Jahr nicht ausnutzen. Wir gingen, auch wenn keine Mittel dasein würden, mit der Tat zu beginnen, wir wollten nicht auf die Zustimmung aus Karlsbad, warten. Das Emek wollten wir erobern, trotz aller Gefahren, die damit verbunden waren. Dr. Thon versuchte mir zu beweisen, daß wir unbedingt auf die Zustimmung aus Karlsbad warten müßten, da kein Geld da sei. Die Einwände waren schwach, und ich merkte, daß er uns im stillen recht gab. Schließlich setzte er die erste Rate für den Transport der Arbeiter und für den Kauf von Werkzeugen durch. Ich erhielt von ihm 300 Engl.Pfund.

Die Arbeit im Emek begann. Der Typhus wütete in unserem Lager^ sechs Genossen waren gestorben, und Dutzende füllten das Krankenhaus In Tiberias. Andere Genossen kamen, um bei der Arbeit zu helfen, aber die Hilfe reichte nicht, una die finan­zielle Lage war schwierig. Doch dank dem Amt für öffentliche Arbeit in Jerusalem wurde uns Geld überwiesen, und so endeten unsere Vorbereitungen für die AIija - man sah,( daß unser Einsatz Erfolg hatte und eine glückliche Zukunft versprach".
Auszug aus Ludwig Schneider: Ha'emek-Vom Todestal zur Kornkammer, Nachrichten aus Israel, 8.9.1987


23. Arabische Siedler

„Seit 1967 haben die Araber 261 Siedlungen allein in Judäa und Samaria gebaut. Wir hören kaum etwas von diesen Siedlungen, aber dafür um so mehr von der Zahl der jüdischen Siedlungen, die errichtet wurden. Wir hören, wie das die Sicherheit untergräbt und wie herausfordernd es ist. Und doch -zum Vergleich: Nur 144 jüdische Siedlungen sind seit 1967 errichtet worden, und darin sind alle enthalten, auch in der Umgebung von Jerusalem, in Judäa, Samaria und im Gaza-Gebiet“, aus /Fa/.

Wir haben in früheren Abhandlungen zahlenmäßig belegt, wie vor Israels Staatsgründung arabische Immigranten zu Zehntausenden in die jüdischen Städte und zu den Landwirtschaften, Fabriken und sonstigen Arbeitsmöglichkeiten der Juden strömten. In vielen Ortschaften verdoppelte und verdreifachte sich die Zahl der Araber.

Heute wissen wir, dass eine systematische „Übernahme“ und Aneignung des Landes beabsich­tigt war und weiterhin geplant ist.

Als Jordanien 1948 den östlichen Teil Jerusalems überrannte und einfach annektierte (wogegen weder die Welt noch die UNO protestierten), wur­den die Juden in diesem Teil der Stadt umgebracht oder, sämtlicher Habe beraubt, massenweise ausge­wiesen. Wenige der Reiseführer zeigen den Touris­ten die Straße in der Nähe der „Klagemauer“, wo man die jüdischen Familien unter Schlägen mit Gewehrkolben durchschleuste, um Jerusalem arabisch zu machen.

So geschah es in vielen Teilen des Landes. Um nur einige Beispiele zu nennen: In Kfar Etzion bei Hebron wurden 1948 alle jüdischen Einwohner außer einem, der entfloh, von den Jordaniern erschossen. Auf der Nordseite Jerusalems wurde ein Ort Neve Jaakov durch Ermordung aller Juden arabisiert.

Dass diese arabische Expansion und Übernahme noch nach Israels Staatsgründung weitergeht, sei durch folgendes geschildert: Ein Ort nördlich der Hauptstadt ist A‘Ram. Es war 1967 ein kleines Araberdorf mit 3000 Einwohnern. Heute [1997] beträgt seine Einwohnerzahl über 40.000, und es hat viele drei- und vierstöckige Wohnhäuser. In der gleichen Gegend florieren weitere arabische Dörfer, wie El Jib, Kafr Akab, Kalandia, Bir Nabala. Nicht nur im Norden und an der Hauptstraße zwischen Jerusalem und Ramallah, sondern auch in der judäischen Berglandschaft östlich von Jerusalem sind eine Anzahl von arabischen Siedlungen entstanden - ohne Rücksicht auf Bauvorschriften und Planung.

'Wer verdrängt hier wen? - Die andern „Siedler“ (Auszug), von Dr. Herbert Hillel Goldberg, Haschiwah – die Rückkehr, Nr. 1/1997






/RK/ Ruth Kark, Ed.: The Land that became Israel/ Ran Aaronsohn: Cultural Landscape of Pre-Zionist Settlements, Yale University Press, London 1990

/St/ Kenneth W.Stein:The Land Question in Palestine, 1917-1939, The University of North Carolina Press, 1984

/Pf/ Rudolf Pfisterer: Israel oder Palästina, R.Brockhaus 1992

/Fa/ Joseph Farah, An unconventional Arab viewpoint, © 2003 WorldNetDaily.com

/WS/ Wolfgang Scheel, Referat, März 2006: Zionistische Landbegrünung als Erfüllung biblischer Verheißungen


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Nahost-Friedensprozess/Historie/ Palästina-Landerwerb_Stand ES 18.04.06

ViSdP: Deutsch-Israelische Gesellschaft-Arge München, Egon Schneider; D-81604 München, PF 800452

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